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Krausestr. 17 Schönebeck 39218 DE

Gräfin und

Graf von Ehrenberg

Infos und Bilder von Schönebeck und Umgebung

Der Blaue Hof in der Ritterstraße...

... ist ein 1710 von Andreas Friedrich von Boeltzig und seiner Gattin Rosamunde Luise, geb. Förder erbautes blau gestrichenes Herrenhaus, in dem sich Literaturgeschichte abgespielt hat.

Über der Eingangstür befand sich das Ehewappen derer von Boeltzig. In die 8 Steinpfeiler der Gartenmauer waren einst die 32 Wappen der Pfännerfamilie eingemeißelt.

Im Obergeschoss befand sich neben der Eichentreppe der Stammbaum des Geschlechts. Die Wände des Saales zierten viele Ahnenbilder mit Männern in Rüstung und Frauen in Pracht-gewändern.

Die Steinpfeiler mit den Wappen wurden schon sehr früh entfernt. Mit dem Abriss des Wohnturmes und seiner spätgotischen Eingangstür von 1513 verschwand der letzte Rest das ehemaligen Edelhofes.

Wer waren die zeitweiligen Bewohner? Da wir keine Zeitzeugen sein können, freuen wir uns ganz besonders, dass sich Herr Dr. Joachim Geffert die Mühe gemacht hat die Daten zusammen zu tragen.

Seine Quellen sind uns leider unbekannt. Das Nachfolgende, entnahmen wir zum großen Teil seinen Recherchen, für die wir uns leider nicht mehr persönlich bei ihm bedanken können. Aber persönlich bedanken können wir uns bei Angelika Will für Ihre Unterstützung mit Bild und Text.

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Im Blauen Hof wohnten Friederike von Schurff geb.03.08 1784 - gest. 10.09.1850, ihre Schwester Henriette Caroline Wilhelmine (Minette) von Schurff geb. 28.11.1792 - gest. 25.06.1872 und ihre weitere Schwester Luzie geb. 1794 und gest. im Jahr 1820.

Der Vater war der Pfännerherr und zeitweilige Bürgermeister von Groß Salze, Major Detlef Otto Friedrich von Schurff.

Die Tochter Friederike heiratet im Jahr 1802 den preußischen Oberstleutnant und Gutsherr auf Poplitz, Heinrich von Krosigk. Nach der preußischen Niederlage im Krieg gegen die Franzosen kam es zur Einquartierung franz. Husaren im Blauen Hof.

Die 16-jährige 'Minette' verliebte sich in den 23 Jahre älteren Capitain (Hauptmann), Claude de Bosselier, geb. 30.08.1769 in Champlitte.

Die Familie, besonders ihr Schwager lehnte verständlicher Weise diese Verbindung zum ehemaligen Kriegsgegner ab.

Am 10.01.1811 stirbt der Vater im 68. Lebensjahr an der Nervenkrankheit Typhus.

Bei einer erneuten Einquartierung ist der Geliebte, 'de Bosselier' inzwischen Obristlientnant und Eskadronschef. Er hält bei Minettes Vormund, 'von Trotha', dem Vater ihrer Mutter um Minettes Hand an.

Am 24.01.1811 findet die Trauung im Beisein des Bräutigam-Vaters Oberst Franz de Bosselier statt. Vor der Kirche bildeten 100 französische Offiziere mit gezogenen Degen ein Ehrenspalier. Kurz darauf wurde 'de Bosselier' nach Stettin versetzt.

Am 15.12.1811 erblickt Töchterchen Clodine das Licht der Welt. Knapp ein Jahr nach ihrer Geburt fiel ihr Papa, Offizier des silbernen und goldenen Kreuzes der Ehren-legion, am 07.09.1812 in der Schlacht von Borodino in Russland, ohne jemals seine Tochter gesehen zu haben. Sie starb 1838 in Aschersleben.

Am 16.10.1813 fiel auch Friederikes Mann, Minettes Schwager, Oberst Heinrich von Krosigk in Frankreich als Bataillions-kommandeur des Yorkschen Korbs.

Als sich Napoleon nach der verlorenen Völkerschlacht in Leipzig auf der Flucht in Groß Salze im Gasthof "Zur grünen Heide" (Edelmannstr. 35) aufhielt, bat ihn Minette, ihre kleine Tochter im Arm haltend um eine Witwenrente. Überliefert ist nur, dass er zu seinem Gefolge sagte: "Arme Frau, so jung, so schön und so unglücklich". Eine Rente gab es wohl nicht.

Die beiden Witwen und ihre Schwester Luise wohnten wieder zusammen auf dem Blauen Hof. Luise heiratete den preußischen Major Baron Wilhelm von Monteton. Minette heiratete später den früheren Pfänner Karl Heinrich Wilhelm v. Wüstenhoff. Alle drei Schwestern fanden auf dem Gertraudenfriedhof von Groß Salze ihre letzte Ruhestätte.

Eingangs erwähnten wir, dass der Blaue Hof ein Geschichtsträchtiges Haus ist. Immerhin wurden die Schicksale der Familie 1906 in der Erzählung "zwei Schwestern" von Max Freiherr von Monteton und 1917 in dem Roman "Der böse Baron von Krosigk" von Paul Schreckenbach beschrieben.

Während des Umbaus des Rathauses in Groß Salze fanden die Amtsgeschäfte um 1900 im "Abgeordnetensitzungsaal" im Blauen Hof statt.

Für die Innenaufnahmen und die Bilder vom Abriss im Februar 1963 danken wir Angelika Will.

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Wie sagt man so schön, nichts ist so beständig wie die Veränderung. Uns erreichte eine Mail von Frau Birthe Rüdiger, Gebietsreferentin Bau- und Kunstdenkmalpflege vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte -, in der Sie uns mitteilte, dass wir uns in dem Punkt, wo sich der historische Blaue Hof ursprünglich befand, getäuscht haben. Das ist ein guter Grund Danke zu sagen, denn wir sind auf jede Art von Hilfe angewiesen, um so gut es geht korrekt zu sein.
 



Im Mittelalter war das wohl eine "angesagte Adresse". Hier spielten sich Ereignisse ab, die es bis in die Literaturgeschichte geschafft haben. Eine der Figuren ist Napoleon Bonaparte.

Hochzeitswappen 'von Böltzig' und 'von Förder'

Die Familiengeschichte in der Literatur: 'Der böse Baron von Krosigk' Er starb am 16.10.1813

Claude de Boisselier. Er starb am 07.09.1812

Wilhelmine de Boisselier als Ehefreu ' von Wüstenhoff'

Detleff von Schurff

Wilhelmine von Schurff, verwitwete de Boisselier, verheiratete von Wüstenhoff

Teil des Stammbaums derer 'von Schurff'

Wandbild im Jagdzimmer - Der ruhende Jäger

Wandbilder im Jagdzimmer. 1946 verschollen



Der Blaue Hof um 1920.
Foto: Franz Wulfert
Gr. Salze


Der Blaue Hof um 1927

Künstler der Zeichnung unbekannt

Unterer Treppenlauf. Datum der Aufnahme unbekannt

Kachelofen

Oberer Treppenlauf. Datum der Aufnahme unbekannt

Der Taubenturm auf dem Grundstück. Quelle Stadtarchiv

Tür von 1710 mit dem Wappen 'von Böltzig' und 'von Förder'

Hintereingang Feb. 1963

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Trauriger Anblick im Februar 1963. Das Kapitel einer Adelsfamilie von Groß-Salze wird geschlossen.

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Die Aufnahmen sind vom 07.03.2012
Es gibt wieder einen  'Blauen Hof". Er hat die Haus-Nr. Ritterstraße 2. Es ist aber nicht der ursprüngliche Blaue Hof von dem die Geschichte erzählt, denn dieses gezeigte Grundstück hatte 1850 die Postadresse Haus Nr. 71 und der in der Literatur erwähnte 'Blaue Hof' die Haus-Nr. 69 In den folgenden drei Bildern sehen wir zwei Ausschnitte des Stadtplans von 1850* und eine GoogleEarth-Aufnahme vom 22.04.2022 
*Quelle Birthe Rüdiger

Wir befinden und hier:

Zur Orientierung: Die Pfännerstraße hieß um 1850 noch Therstraße, dann auch mal Marktstraße


Im schwarzen Kreis befand sich das Grundstück zwischen der Kirchstraße - Ritterstraße - An der Stadtmauer und der Straße 'Blaue Hof'

Der Blaue Hof befand sich zwischen der jetzigen Mauerstraße - Ludwig-Schneider-Schule und der NP-Markthalle