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Krausestr. 17 Schönebeck 39218 DE

Gräfin und

Graf von Ehrenberg

Infos und Bilder von Schönebeck und Umgebung

Forgotten Paradiese

Dag Reinbott / www.terrasound.de

Villa Carlshall (was davon übrig ist)

Die Ruine der Villa Carlshall steht in Schönebeck in der Straße Hoher Weg 11. Über dem Eingangsportal befindet ein Ornament mit einem > H <, denn das ehemalige Jagdschloss war 1860 im Besitz des Stadtverordnetenvorstehers Gustav Hoyer.

Ein weiteres Ornament am Giebel enthält die Jahreszahl 1898, die Jahreszahl für den Umbau des Jagdschlosses zu einer imposanten Villa.

Überliefert ist, dass die Villa Carlshall für die Übernachtungen von Friedrich Karl Alexander Prinz von Preußen eingerichtet wurde. Er weilte oft in der Funktion eines hohen Preußischen Offiziers in Magdeburg und der Umgebung.

Die Villa wurde später der Wohnsitz der Familie Wolfgang Wanckel, einem Sohn des Spediteurs Oskar Wanckel.

Wir möchten hier an dieser Stelle noch einige wichtige Informationen einflechten. Herr Frank Lüdicke hat uns wertvolle Informationen zu den letzten Besitzern der Villa Carlshall, Arno und Dagmar Jans, geb. Wanckel gegeben, welche wir im gekürzten Wortlaut hier wiedergeben möchten:
"... Carlshall zu DDR-Zeiten

Bemerkungen von Paul Lüdicke Rechtanwalt Arno Jans:

Im Schloss befand sich eine naturkundliche Sammlung des Voreigentümers. Dagmar war Alleinerbin. Der größte Teil befand sich im Keller, der unter Wasser stand. Arno hat das Wasser nicht wegbekommen. Dann hat er mit seinen Söhnen das Dach instandgesetzt, insbesondere an den Schornsteinen.

Und plötzlich ging das Wasser weg. Alles Regenwasser. Jetzt kam er an alles heran. Er restaurierte vieles.

Er hatte goldene Hände. Dann verkaufte er und Dagmar vieles. Einen Atlas oder Weltkarte vom Verlag Haak. Erstausgabe!

Von einem Antiquariat erhielt er über 20000.- M der DDR und eine Kaufgenehmigung für einen Shiguli (ein russisches Auto zu DDR-Zeiten). Es gab wohl noch 3 Stück davon. Eine Karte sollte sich in England befinden. Nach der 3. suchte er vergebens weiter. Jetzt bekam das Finanzamt Wind von den Verkäufen (Schalk Golotkowsky). Es wurde ein Steuerverfahren eingeleitet und ein unbezahlbarer Betrag festgelegt.

Dann alles gepfändet, was sich in der Wohnung befand.

Hier noch einige Ergänzungen zur Fam. Jahns: Arno und Dagmar waren verheiratet. Aus dieser Ehe ist kein Kind hervorgegangen. Dagmar hatte auch aus erster Ehe keine Kinder. Arno hatte aus erster Ehe Kinder. Ein Sohn war bei der Polizei in Magdeburg. Dagmar hatte noch eine Nichte und einen Neffen in Hamburg. Der Neffe hieß Endres, od. so ähnlich. Er studierte Jura. Der letzte Eigentümer der Schiffswerft und vom Schloss wurde nach 1945 verurteilt und enteignet.

Angeblich hat er Fremdarbeiter schlecht behandelt (Gefangene). Nach der Wende konnten wir mit Zeugen nachweisen, dass dies falsch war. Ich habe das Rehabilitationsverfahren beantragt. Er wurde freigesprochen.

Die Enteignung blieb, da sie nach einem SMAD-Befehl erfolgt sei. So blieb alles Volkseigentum..."

Der neue Eigentümer ist der Bauunternehmer Alexander Elsner, der auch die auf dem Grundstück befindlichen ehemaligen Industriebgebäude zu Wohnungen umbaut.

Uns bleibt an dieser Stelle zur Zeit leider nur übrig den traurigen Rest dieser stolzen Villa zu zeigen. Sie wird wohl erst nach dem Umbau der restlichen Gebäude wieder zu einer schmucken Villa werden.

Informationen zu dem Gebäude vor dem Brand im Oktober 2008 stammen aus Gesprächen mit einer Verwandten der Familie Wanckel, der Tochter des Fotografen Otto Nilius, Waltraud Jäger, Frank Lüdicke, sowie aus dem Schriftverkehr mit einer Bekannten des Urenkels von Wolfgang Wanckel und aus Veröffentlichungen im Internet: 

http://www.uni-magdeburg.de/mbl/Biografien/1689.htm

Literatur:

Priesdorff 4, 468–471 (B); Brockhaus Conversations-Lexikon, 131885, 134;

Gustav Hertel/Friedrich Hülße,

Friedrich Wilhelm Hoffmanns Geschichte der Stadt Magdeburg, Bd. 2, 1885, 472, 481, 483, 488, 512, 525, 541, 547;

Wilhelm Schulze, Aus der Geschichte der Stadt Schönebeck, Ms. 1962, 608f.;

Dr. Hans-Joachim Geffert, Baudenkmale im Kreis Schönebeck, 1988, 33.

Für die Innenaufnahmen der Villa bedanke ich mich ganz herzlich bei Frau Waltraud Jäger, dem neuen Besitzer der Villa Alexander Elsner, Michael Hennemann und Oli Struve aus Schönebeck sowie für die Zeichnungen und Inventarfotos bei Frau Carmen Lienig aus Bayern.