- - - Harald Bahr von Ehrenberg - - - - Gradierwerk
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Look out the Windows at the Rain
Maxim Kornyshev / www.freemusicarchive.de
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Gradierwerk Bad Salzelmen

Von 1756-1765 dauerte der Bau des Gradierwerkes in Elmen. Es entstand im Auftrag des preußischen Staates.  Die Bauarbeiten am Gradierwerk wurden im 7-jährigen Krieg unterbrochen.

Berechnung und Konstruktion lagen in der Verantwortung des Herrn Waitz von Eschen. Er war zu jener Zeit der erfahrenste Architekt für diese Technik. Durch Verrieselung verdunstete ein Teil des Wassers und führte zur Steigerung des Salzgehaltes der Sole.  

1765 wurde das Gradierwerk in Elmen in Betrieb genommen. Es war damals 1323m lang. Der berühmte Mathematiker Leonard Euler hatte seinerzeit die Bauleitung übernommen.

Nach Bauende 1765 pachtet der Holzhändler Abraham Gansauge die Saline und lässt zur Brennstoffsicherstellung die Altenweddinger Braunkohlegruben anlegen. Unter Gansauge wurde auch Schacht III unter dem Turm gegraben. Nach seinem Tod übernimmt seine Frau den Betrieb.

In den Jahren 1774 -1777 wurde das Gradierwerk auf 1837m verlängert und war damit das längste Gradierwerk Europas.

Im Jahre 1776 war der 32m hohe, 6-geschossige Bruchsteinturm noch eine Holländer-Windmühle. Sie hob die Sole aus Schacht III. Später kam hier eine der ersten 40 PS Dampfmaschinen in Preußen zum Einsatz. Ihre Förderleistung betrug  90 Liter bei 10-16 Hüben/min. In der heutigen Zeit dient die aus 85m Tiefe geförderte Sole nur noch medizinischen Zwecken.

Eine alte Statistik aus dem Jahr1790 besagt, dass Schönebeck mit den Kolonisten 3.353 Einwohner hatte. Davon waren 877 Salzwirker, 70 Gradierwerkbeschäftigte und 112 Böttcher mit ihren Familien. Heute könnten wir statt Kolonisten eingebürgerte Gastarbeiter sagen. Das Thema scheint in Deutschland wieder aktuell zu sein.

Seit der Erkenntnis, dass das Klima um das Gradierwerk herum dem Seeklima ähnlich ist, wurde das Areal auch therapeutisch genutzt.

Marschall Ney residierte 1806 im Schönebecker Rathaus und bewohnt das 'Generalshaus' in der Straße Breite Weg 13. Als Sieger in dem Deutsch/Französischen Krieg, benahm er sich auch so. Er fordert eine große Geldsumme oder droht das Gradierwerk und die Dampfmaschine zu zerstören. So erpresst er schließlich 33.000 Taler. Die französische Herrschaft dauerte allerdings nicht sehr lange.

In Berichten aus dem Jahr 1883 ist zu lesen, dass auf der Kurparkbühne wöchentlich mehrere Konzerte stattfanden. Die Badedirektion hatte eine Kurparkkapelle unter Vertrag. Von Mitte Mai bis Ende September gastierten weitere namhafte auswärtige Künstler.

Bei den Sonntagsfrühkonzerten spielte ein Hornquartett vom Gradierwerk herunter. Auch Sommerkonzerte und Volksmusik gab es von gleicher Stelle. Am Gradierwerk entlang wurden Probebohrungen unternommen um noch höherwertige Sole zu finden, aber mir ist nicht bekannt, ob die Erfolg hatten.

Ab 1890 hatte Schönebeck einen eigenen Schacht. Damit endete die Lieferung der Sole aus Salzelmen mittels Wendelitzen oder Röhrenfahrten. Die Röhren waren aus gebohrte Baumstämme die Passgenau zusammen gesteckt wurden. Und das bei so einer gewaltigen Entfernung von der Eggersdorfer Chaussee in Salzelmen bis zur Barbyer Straße in Schönebeck.

Auf Fotos von 1930 sieht man am Gradierwerk mehrere Kinderspielplätze. Es gab neben diversen Spielgeräten, Rutschbahn, Karussell, Kegelbahn usw. Aber, Jungen und Mädchen hatten getrennte Spielflächen. 2x wöchentlich gab es zwischen 14:00-17:00 gemeinsame Spiele unter Aufsicht.
Das Gradierwerk hatte seit 1890 zwar seine wirtschaftliche Bedeutung verloren, aber die Tiefbehälter klären weiterhin die Sole vom Moltkeschacht für den Kurbetrieb. Nach der Rekonstruktion in den Jahren 1990 bis 1998 stehen noch ungefähr 350m von dem einst längsten gradlinigen Gradierwerk Europas.

Da ich zu keiner Zeit von dem Beschrieben vor den 50er Jahren dabei war, stammt mein Wissen aus dem Internet und aus den Büchern:
           Schönebeck/Elbe in alten Ansichten
           Reihe Archivbilder Schönebeck/Elbe
           775 Jahre Schönebeck an der Elbe

Mein besonderer Dank gilt Herrn Christian Dobisch für die Luftaufnahme vom Gradierwerk

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